Mann und Frau sitzen auf Bett

Vorzeitiger Samenerguss - Nie wieder zu früh kommen!

Der vorzeitige Samenerguss ist die häufigste sexuelle „Funktionsstörung“, und belastet über den Globus verteilt Millionen von Männern.

Aber ab wann spricht man von einer vorzeitigen Ejakulation und was sind die Ursachen? Und was kann man dagegen tun? 

Folgende Fragen möchte ich dir in meinem Artikel beantworten:

  • Was ist überhaupt ein vorzeitiger Samenerguss und wann spricht man davon?
  • Wie viele Männer leiden unter diesem Problem?
  • Was sind mögliche Ursachen?
  • Welche Folgen kann die vorzeitige Ejakulation haben?
  • Was ist zu tun?
  • Wie sind die Erfolgsaussichten?

Was ist ein vorzeitiger Samenerguss?

Aus medizinischer Sicht:

Grundsätzlich unterscheidet man in der Medizin zwischen einem lebenslangen (primären) und einem erworbenen (sekundären) vorzeitigen Samenerguss.

Von einem lebenslangen vorzeitigem Samenerguss spricht man, wenn das Problem seit Beginn der sexuellen Aktivität besteht.

Bei einem erworbenen vorzeitigem Samenerguss, gab es eine Phase, in der die Zeit bis zum Orgasmus als ausreichend oder befriedigend erlebt wurde.

Zu den Ursachen komme ich weiter unten im Artikel.

Es kursieren viele Definitionen über die frühzeitige Ejakulation. Für die Forschung und die Medizin waren sie aber alle nicht präzise genug und so erarbeitete ein Expertenteam der „International Society for Sexual Medicine“ (ISSM) 2008 folgende Definition(Porst 2009):

Ejaculatio praecox ist eine sexuelle Dysfunktion beim Mann, die wie folgt charakterisiert ist:

  • Ejakulation, die immer oder fast immer vor oder innerhalb von etwa einer Minute nach Einführung des Glieds in die Scheide erfolgt,

   und

  • die Unfähigkeit zur Verzögerung der Ejakulation bei jeder oder fast jeder vaginalen Penetration

Allerdings ist das Empfinden für einen vorzeitigen Samenerguss immer subjektiv. Was für den einen als „vorzeitig“ gilt, kann für den anderen als völlig ausreichend empfunden werden. Die Definition des Problems mithilfe zeitlicher Angaben, ist in meinen Augen falsch und führt nur zu Verunsicherung. Urologen der Universität Köln haben eine sehr interessante Studie durchgeführt (Kreutzer 2001) und folgendes festgestellt:

Sie verglichen Männer, die ihren Angaben zufolge unter verfrühter Ejakulation litten, mit „gesunden“ Männern. Das Ergebnis fiel überraschend aus. Männern mit ejaculatio praecox hatten im Durchschnitt zwei Minuten und 32 Sekunden Geschlechtsverkehr, die nicht betroffenen Teilnehmer drei Minuten und eine Sekunde. 

Bei einer umfangreichen Studie mit 491 normalen Paaren aus fünf Ländern lag der Mittelwert bei 5,4 Minuten (Waldinger 2005).

Wichtig:   

Diese Zeitangaben solltest du dir bitte nicht zu sehr zu Herzen nehmen! Vielmehr geht es darum, Ejakulationskontrolle zu erlernen, d.h. du bestimmst, wann du ejakulierst. Ob das dann nach einer Minute, zehn Minuten oder einer halben Stunde ist, bleibt dir/euch überlassen. Solange du und deine Partnerin zufrieden mit der Dauer des Akts seid, besteht auch kein Problem. Erst wenn einer von euch das Liebesspiel als zu kurz oder unbefriedigend empfindet, spricht man von einem vorzeitigen SamenergussDeshalb rate ich dir, sämtliche Zeitangaben zu vergessen. (Ebenso die Begriffe „vorzeitige Ejakulation“, „ejaculatio praecox“, usw…) Es geht einzig und allein um die persönliche Kontrolle des Ejakulationsvorgangs!

Anmerkung:   

Wenn es dir gelegentlich passiert, dass du ungewollt zu früh kommst, brauchst du dir nicht den Kopf zerbrechen! Das passiert jedem ein mal, selbst dem sonst so ausdauernden „Profi“. Bei einer neuen Partnerin oder längerer Abstinenz ist das völlig normal und kein Grund zur Besorgnis.

Bin ich alleine mit diesem Problem?

Viele Männer, die unter vorzeitiger Ejakulation leiden, denken oft sie wären alleine mit diesem Problem. Dem ist nicht so. Das zeigt die Pepa-Studie (Premature Ejaculation Prevalence and Attitude), bei der Männer zwischen 18 und 70 Jahren befragt wurden.

Das Ergebnis: Allein in Deutschland leiden gut 20% aller Männer unter diesem Problem. Bei den unter 35jährigen ist der Anteil sogar noch größer. Wie Du siehst, bist Du kein Einzelfall!

Zur Aufmunterung:

Mangelnde Ejakulationkontrolle ist gar kein so großes Problem. Wissenschaftliche Untersuchungen haben ergeben, dass 80 bis 90 Prozent aller Männer eine bessere Kontrolle erlernen konnten, vorausgesetzt sie waren bereit, die nötige Zeit und Energie in den Lösungsweg zu investieren.

Was sind die Ursachen für einen vorzeitigen Samenerguss?

Wie bereits erwähnt, kann längere Abstinenz oder eine neue Partnerin, mit der du die ersten Male intim wirst, leicht zu einem „Schnellschuß“ führen. Das hat wahrscheinlich jeder Mann schon mal erlebt und ist völlig natürlich!

Ansonsten kann man die Ursachen in vier Bereiche unterteilen:

  • Mentale Ursachen
  • Mangelnde Aufmerksamkeit und Wissen
  • Falsche Konditionierung
  • Körperliche Ursachen

Im Folgenden möchte ich dir die einzelnen Ursachen im Detail erklären.

 

1. Mentale Ursachen

Die mentale Verfassung ist die Hauptursache für einen vorzeitigen Samenerguss. Deshalb schenke ich diesem Punkt die größte Aufmerksamkeit.

Was können mentale Ursachen sein?

  • Falsche Vorstellungen bezüglich Sexualität
  • Leistungsdruck (beim Sex)
  • Sexuelle Versagensängste
  • Psychischer Stress und Nervosität
  • Beziehungsprobleme 
  • Minderwertigkeitsgefühle
  • Unsicherheit
  • Starke Aufregung

Speziell die Angst, wieder zu früh zu kommen, ist schon fast ein Garant dafür, seine Ejakulation nicht kontrollieren zu können. Jegliche Unsicherheit, negative Emotionen und Anspannung beim Sex, kann einen verfrühten Samenerguss zur Folge haben. Nicht zuletzt sind es die Medien, die einen großen Teil dazu beitragen, dass gerade jüngere Männer eine komplett falsche Vorstellung von Sexualität vermittelt bekommen, welche Leistungsdruck und Versagensängste auslösen können.

2. Mangelnde Aufmerksamkeit und Wissen

Allgemein kann man sagen, dass Männer mit Kontrollschwierigkeiten nicht die richtigen Regulierungen in ihrem Verhalten vornehmen. Das kann an Unerfahrenheit oder mangelnder Aufmerksamkeit bzw. Körpergefühl liegen. Gemeint ist, dass sie nicht auf ihre Erregungskurve und Empfindungen achten und den herannahenden Orgasmus erst dann bemerken, wenn es bereits zu spät ist.

Dazu musst du deine Kontrollzone kennenlernen.

Für eine Verbesserung der Ejakulationskontrolle müssen zwei Fähigkeiten oder Fertigkeiten erlernt werden. Zum einen solltest du lernen deinen Erregungsgefühlen mehr Aufmerksamkeit zu schenken. Zum anderen solltest du wissen welche Veränderungen du in deinem sexuellen Verhalten vornehmen musst, um deine Ejakulation zu verzögern oder zu verhindern.

3. Falsches Masturbieren bzw. Konditionierung

Der Mensch ist ein Gewohnheitstier. Alle Dinge, die ein Mensch regelmäßig tut, werden früher oder später zur „Gewohnheit“ und verfestigen sich in unserem Unterbewusstsein. Das bedeutet, dass beispielsweise alltägliche Handlungen automatisch ablaufen, ohne dass wir darüber nachdenken oder diese steuern müssen.

Ein kleines Beispiel: Das Autofahren. Als wir die ersten Male in der Fahrschule hinter dem Steuer saßen, war es eine echte Herausforderung mehrere Dinge parallel zu tun. Kupplung treten, schalten, blinken, Schulterblick, gleichzeitig auf den Verkehr achten, usw. Nach einiger Zeit laufen all diese Dinge automatisch ab, wir denken nicht mehr darüber nach. Diese Abfolge von Handlungen haben sich in unserem Unterbewusstsein verankert, wir haben eine neurale „Schnellstraße“ geschaffen und unser Unterbewusstsein darauf „konditioniert“.

Diese Konditionierung des Unterbewusstseins lässt sich auf alle Verhaltensweisen übertragen. Genauso auf das Masturbieren!

Viele Männer haben die Angewohnheit, sich keine Zeit für das Masturbieren zu nehmen. Die Gründe hierfür könnten z.B. sein, nicht ertappt werden zu wollen; weil der Bus gleich geht oder einfach nur um möglichst schnell dieses tolle Gefühl zu erleben.

Das hat zur Folge, dass der Körper unbewusst darauf konditioniert wird, schnell zum Orgasmus zu kommen.

Sobald die sexuelle Erregung steigt, steuert das Unterbewusstsein alle weiteren Prozesse im Körper und führt dazu, dass die Erregungkurve von 0 auf 100 steil ansteigt und in einem vorzeitigem Orgasmus endet.

4. Körperliche Ursachen

Körperliche Ursachen sind nur in wenigen Fällen für einen vorzeitigen Samenerguss verantwortlich. Sollte eine der folgenden Erkrankungen bei dir in Frage kommen, würde ich dir aber raten, einen Urologen aufzusuchen um auf Nummer sicher zu gehen.

Hier ein Überblick für körperliche Ursachen:

  • Harnwegserkrankungen
  • Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit)
  • Hypersensibilität der Eichel
  • Schilddrüsenerkrankungen
  • Prostataprobleme
  • Erkrankung des Nervensystems (z.B. Multiple Sklerose)
  • Sympathomimetika (Medikamente, die den Sympathikus, einen Teil des vegetativen Nervensystems, beeinflussen)
  • Erektile Dysfunktion

Kombination verschiedener Ursachen

Für die vorzeitige Ejakulation kommt meistens nicht nur ein Auslöser in Frage, sondern häufig ist es eine Kombination mehrerer Ursachen (multifaktorielle Genese).

Falsch antrainierte Angewohnheiten, wie z.B. falsches Masturbieren kann zu einem vorzeitigem Samenerguss führen. Das wiederum kann dann zu Versagensängsten führen, die das Problem weiter verstärken.

Auch bereits bestehende sexuelle Probleme können natürlich eine mögliche Ursache für vorzeitige Ejakulation sein. So kann beispielsweise ein Mann, der unter Errektionsproblemen leidet, eine Angst gegenüber Sex entwickeln, aus Sorge seine Erektion könnte nicht lange genug anhalten. Er kommt schnell, weil er Angst hat, seine Erektion könnte ihn vorzeitig im Stich lassen. Ist die Partnerin über das frühe Ende dann auch noch enttäuscht, könnte das zu Beziehungsproblemen führen und die Ängste des Mannes intensivieren, die wiederum das Problem weiter verschärfen.

Welche Folgen kann eine dauerhafte vorzeitige Ejakulation haben?

Ein Mann, der über einen längeren Zeitraum unter Eculatio praecox leidet, läuft Gefahr auch andere sexuelle Funktionsstörungen dadurch auszulösen. Durch die ständige Angst, wieder zu früh zu kommen, wird innerer Druck, mentaler Stress und Nervosität ausgelöst. Das kann dazu führen, dass sich in der Folge weitere sexuelle Probleme wie Erektionsstörungen und verminderte Libido (sexuelle Unlust) entwickeln.

Unabhängig davon führt die vorzeitige Ejakulation natürlich auch dazu, dass Sex keinen Spaß mehr macht, sondern sich zu einem Schreckgespenst entwickelt, bei dem Versagensängste und Minderwertigkeitsgefühle die vorherrschenden Emotionen sind.

Wie löse ich nun mein Problem mit dem vorzeitigem Samenerguss?

Wie bereits bei den Ursachen erwähnt, solltest du vorab klären, ob körperliche Ursachen bei dir in Frage kommen. Falls dem so sein sollte, ist ein Termin beim Urologen die einzige Option. Bei allen anderen Ursachen kann dir ein Arzt wenig helfen und ist meiner Meinung nach die falsche Anlaufstelle.

Diese Meinung bestätigt auch die PEPA-Studie. Aus ihrem Bericht ging hervor, dass von den 9% der Männer, die das Gespräch mit dem Urologen suchten, 91,5% wenig oder überhaupt keine Besserung des Problems vermelden konnten.

Von Medikamenten, wie PDE-5 Hemmer, Antidepressiva, etc. würde ich grundsätzlich abraten! Erstens haben diese Medikamente starke Nebenwirkungen und machen eine dauerhafte Einnahme notwendig, und zweitens ist eine Besserung des Problems sehr fragwürdig. Auch betäubende Salben und Cremes versprechen keine Heilung und bringen nur Nachteile mit sich. Abgesehen davon, dass das Liebesspiel dafür immer erst unterbrochen werden muss, um die Creme aufzutragen, setzt es auch die Verwendung eines Kondoms voraus, da sich sonst die betäubende Wirkung der Creme auf deine Partnerin überträgt und sie dann nicht mehr wirklich viel spürt. In beiden Fällen wird lediglich versucht, die Symptome zu bekämpfen, nicht aber die Wurzel des Problems.

Ich selbst litt in jungen Jahren lange Zeit an vorzeitiger Ejakulation und habe es auch geschafft, mich selbst komplett zu „heilen“. Ich weiß also wovon ich rede und dass es funktioniert! 🙂 Auf das richtige „Mindset“ kommt es an!

Was kann man also tun, um seine sexuelle Ausdauer zu steigern?

1. Beckenbodenmuskulatur stärken

Der erste und einfachste Schritt ist es, seine Beckenbodenmuskulatur zu stärken.

In nahezu allen Ratgebern und Internetseiten, die sich mit dem Thema „Vorzeitige Ejakulation“ beschäftigen, wird empfohlen seinen PC-Muskel zu trainieren. Und das auch zu Recht. Natürlich wird das Problem allein dadurch nicht gelöst, ist aber ein wichtiger Eckpfeiler und unerlässlich auf dem Weg zur sexuellen Ausdauer! Unabhängig davon, hat das Training der Beckenbodenmuskulatur viele weitere Vorteile.

Der PC-Muskel ( auch Potenzmuskel oder Beckenbodenmuskel) ist der Muskel mit dem du deinen Urinstrahl unterbrichst. Jeder von uns kennt die Situation, dringend auf die Toilette zu müssen, aber gerade nicht die Möglichkeit dazu zu haben. Ganz automatisch spannen wir dabei unseren PC-Muskel an, um den Urinstrahl zurückzuhalten. Falls dir noch nicht ganz klar ist, was der PC-Muskel ist, dann stelle dir einfach mal vor du müsstest dringend aufs Klo und würdest versuchen den Urin zurückzuhalten, das ist der PC-Muskel. Und genau mit diesem Muskel kannst du auch deinen herannahenden Orgasmus zurückhalten. Allerdings ist dieser Muskel auch dafür verantwortlich deine Erregung wesentlich schneller steigen zu lassen.

Ist dieser Muskel angespannt, steigt deine Erregung sehr schnell an, ist er entspannt steigt deine Erregung deutlich langsamer.

Die meisten Männer sind sich dessen gar nicht bewusst und wissen auch nicht, wie sie ihren PC-Muskel aktiv entspannen können. Durch das Training der Beckenbodenmuskulatur lernst du deinen PC-Muskel zu kontrollieren, mit ihm umzugehen. Das sorgt dafür, dass du während des Sex in der Lage sein wirst, diesen Muskel als Instrument oder Werkzeug einzusetzen, um mit deiner Erregung zu „spielen“.

2. Lerne deinen Körper kennen

Viele Männer, die an einem vorzeitigen Samenerguss leiden, haben oft das Problem, den herannahenden Orgasmus erst zu bemerken, wenn es bereits zu spät ist. Das liegt in erster Linie daran, dass sie ihren Körper nicht richtig kennen und ihren Erregungs- und Spannungsgefühlen zu wenig Aufmerksamkeit schenken.

Ein Mann mit guter Kontrollfähigkeit ist in der Lage Veränderungen in seinem sexuellen Verhalten vorzunehmen, bevor er den sogenannten Unvermeidlichkeitspunkt (Masters und Johnson) erreicht. Das ist der Punkt, an dem der Mann spürt, dass er gleich kommen wird. Was er fühlt, sind die Kontraktionen der Prostata und Samenbläschen, und wenn diese Organe einmal beginnen sich zusammenzuziehen, ist die Ejakulation bereits im Gange. Dann kann sie nichts mehr aufhalten. Ab dem Unvermeidlichkeitspunkt kann keine Kontrolle mehr ausgeübt werden.

Deshalb ist es wichtig seine Kontrollzone zu kennen. Die Kontrollzone beschreibt die Zeit vor dem Erreichen des Unvermeidlichkeitspunkt. Nur innerhalb der Kontrollzone ist es möglich, Dinge im sexuellen Verhalten zu verändern bzw. zu variieren um den Orgasmus hinauszuzögern.

Mit Hilfe spezieller Übungen ist es möglich, seine eigene Kontrollzone besser kennenzulernen und auszubauen. Das sorgt einerseits dafür, dass du lernst deinen Erregungsgefühlen mehr Aufmerksamkeit zu schenken um rechtzeitig „reagieren“ zu können, und andererseits bieten dir diese Übungen die Möglichkeit deine Kontrollzone zu vergrößern. Was bedeutet: Deine Ejakulation hinauszuzögern!

3. (Sexuelles) Selbstbewusstsein stärken

Kommen wir nun zum wichtigsten Punkt um deinen Samenerguss zu verzögern!

Wie ich schon angesprochen habe, sind negative Gedanken und Emotionen die Hauptursache für eine vorzeitige Ejakulation! Die Auslöser für diese destruktiven Denkmuster können ganz unterschiedlicher Natur sein. Das beginnt schon mit der Erziehung von Jungen, in der oft unbewusst ein völlig falsches Bild vom „Mannsein“ vermittelt wird.

In unseren heutigen Gesellschaft und Kultur wird Männlichkeit über Leistung und Erfolg definiert. Das bedeutet, dass wir von klein auf erzählt bekommen, dass nur derjenige ein „echter“ Mann ist, der es auch zu etwas bringt. Sei es beruflich, beim Sport, bei den Frauen oder eben im Bett. Männer werden regelrecht zu Hochleistungssportlern erzogen. Und welcher Mann möchte schon als Loser oder Schlappschwanz gelten?

Das übt natürlich schon im jungen Teenager-Alter einen gewissen Druck auf uns Männer aus. Hinzu kommen die Medien und das Internet, welche stets Ideale vorführen, denen die wenigsten Männer wirklich entsprechen. Das kann ganz schnell zu Minderwertigkeitsgefühlen führen und unser Selbstwertgefühl schwächen.

Da Männlichkeit und Sexualität in unseren Köpfen eng miteinander verknüpft sind, führt diese Gehirnwäsche dazu, dass viele Männer – um beim Thema zu bleiben – eine falsche Vorstellung von Sexualität entwickeln und immer den inneren Druck verspüren „abliefern zu müssen“. Genau dieser Druck bzw. Leistungsdruck verursacht mentalen Stress, Anspannung und Nervosität, was in der Folge zu vorzeitiger Ejakulation, Erektionsstörungen oder einer verminderten Libido führt.

Deshalb ist es ausserordentlich wichtig, an seinem (sexuellen) Selbstbewusstsein zu arbeiten. Warum habe ich „sexuell“ in Klammer gesetzt?

Weil ein starkes Selbstbewusstsein auch das sexuelle Selbstbewusstsein beeinflusst und stärkt. Dennoch möchte ich dieses Thema ein wenig differenzieren.

Was ist sexuelles Selbstbewusstsein und was versteht man darunter?

Unter sexuellem Selbstbewusstsein versteht man, sich mit seinem Körper wohl zu fühlen und seinen sexuellen Fähigkeiten zu vertrauen.

Ein starkes sexuelles Selbstbewusstsein ist die Grundlage für ein erfülltes Sexualleben und sorgt ganz automatisch dafür, dass Probleme wie vorzeitige Ejakulation in der Regel ganz von alleine von dannen ziehen.

Wie kann ich mein (sexuelles) Selbstbewusstsein stärken?

Hinterfrage deine Ängste und Vorstellungen

  • Warum verspüre ich Leistungsdruck oder Versagensängste?
  • Wodurch werden diese Ängste ausgelöst?
  • Besteht die Möglichkeit dass ich an alten und destruktiven Glaubenssätzen festhalte?
  • Hab ich vielleicht ein verdrehtes Bild von Sexualität?

Spreche offen mit deiner Partnerin über dein Problem

Ein ehrliches und offenes Gespräch mit der Partnerin kann Wunder wirken! Es nimmt dir den Druck und holt dich aus der Gedankenspirale.

Vielen Männern fällt es oft schwer über persönliche Probleme zu sprechen, speziell wenn es um sexuelle Probleme geht! Man würde damit ja seine Männlichkeit in Frage stellen. Das ist aber Quatsch! Die meisten Frauen werden Verständnis zeigen, wahrscheinlich sogar Erleichterung, da sie nun wissen, was der Grund für die Frustration war und es nicht an ihnen lag.

Meditation

Meditation ist ein oft unterschätztes und sehr wirkungsvolles Instrument. Sie lehrt dich, negative Gedanken und Sorgen mit mehr Abstand zu betrachten und gelassener mit ihnen umzugehen. Darüber hinaus hilft dir Meditation, deine inneren Kräfte zu wecken und dir deine eigenen Stärken bewußt zu machen bzw. zu nutzen.

4. Richtiges Masturbieren erlernen

Auch wenn für den Ein oder Anderen dieser Punkt etwas seltsam oder lächerlich klingen mag, möchte ich dich bitten, dieses Thema ernst zu nehmen. Weiter oben im Artikel habe ich ja schon erwähnt, dass man durch häufige und gleiche Wiederholungen, seinen Körper und Unterbewußtsein auf bestimmte Handlungen und Reflexe „programmieren“ kann.

Ich empfehle dir, in Zukunft deine Masturbationsgewohnheiten zu verändern. Wenn du zu den Männern gehörst, die sich bei der Selbstliebe schon immer etwas mehr Zeit gelassen haben (ca. 15 min), dann kannst du diesen Punkt auch überspringen.

Die wichtigsten Punkte im Überblick:

  • Nehme dir immer mindestens 15 Minuten Zeit. Dadurch konditionierst du deinen Körper und Unterbewußtsein darauf, nicht wie eine Rakete auf den Orgasmus zuzusteuern.
  • Versuche während des Onanierens mit deinem PC-Muskel zu spielen, d.h. versuche ihn zu entspannen bzw. anzuspannen und beobachte die Veränderungen in deiner Erregung
  • Masturbiere ohne Pornos! Versuche deine Aufmerksamkeit auf deinen Körper zu richten und achte auf deine Erregungsgefühle. Wie verändern sie sich wenn du z.B. die Art der Stimulation veränderst, dich zwischendurch einfach nur streichelst oder ähnliches.

5. Die richtige Atmung

Die Atmung kann einen ganz entscheidenden Einfluss auf deine Erregung haben!

Die meisten Männer neigen dazu, mit steigender Erregung immer flacher und kürzer zu atmen, bis sie letztendlich nur noch keuchen. Eine flache kurze Atmung führt dazu, dass sich verschiedene Muskelgruppen, so auch der PC-Muskel, anspannen. Das sorgt für ein schnelleres Ansteigen der Erregung und begünstigt somit die vorzeitige Ejakulation.

Lerne deshalb tief und langsam in den Bauch ein- und auszuatmen. Die Bauchatmung entspannt Körper und Geist und baut Anspannung sowie Nervosität ab. Durch die tiefe Bauchatmung entspannen sich die Muskeln und die sexuelle Ausdauer wird enorm gesteigert.

6.1. Start-Stopp-Technik nach Semans

Die Start –Stop-Technik stammt von Dr. James Semans aus den fünfziger Jahren. Diese Technik ist weit verbreitet und wird gebetsmühlenartig von vielen Therapeuten immer wieder empfohlen. Allerdings ist die ursprüngliche Form dieser Technik schon ziemlich veraltet und verspricht nicht unbedingt große Erfolge.

Wie funktioniert diese Technik?

Du stimulierst dich bis kurz vor den Unvermeidlichkeitspunkt und unterbrichst die Stimulation dann schlagartig, bis die Erregung wieder etwas nachgelassen hast. Dann beginnst du wieder von Neuem und wiederholst diesen Vorgang mehrfach.

Ziel dieser Technik sollte sein, die Dauer bis zum Erreichen des Unvermeidlichkeitspunkt, pö a pö zu steigern.

6.2. Squeeze-Technik

Die Squeeze-Technik wurde von Masters und Johnson in den siebziger Jahren entwickelt. Ich persönlich halte von dieser Technik überhaupt nichts und erwähne sich lediglich der Vollständigkeit halber!

Bei der Squeeze Technik wird kurz vor Erreichen des Unvermeidlichkeitspunkt der Penis kurz unterhalb der Eichel mit Daumen und Zeigefinger abgeklemmt, bis das Erregungsniveau wieder nachgelassen hat.

Das kann nicht wirklich angenehm sein! Abgesehen davon muss dazu jedesmal der Geschlechtsverkehr unterbrochen werden um den „Pimmel“ zu quetschen….hier gibt es deutlich bessere Methoden!!

24. Januar 2019
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